Von Mahé, Round Island, Praslin, La Digue, Grande Soeur & Petite Soeur, Coco Island, Booby Island, Aride, St. Pierre nach Curieuse – an Bord des Segelschiffes Sea Star durfte ich elf Seychellen-Inseln  in sieben Tagen bewundern. Was es dabei zu sehen gab? Von Kokospalmen gesäumte Traumstrände, tropische Wälder, Riesenschildkröten, viele bunte und Fliegende Fische, Rochen, Delfine, Meeresschildkröten sowie seltene Fregatt- und Tropikvögel. Ein Tagebuch.


Tag 1: Anse Lazio, Praslin

»Da wartet was richtig Schönes auf euch«, sagte das deutsche Pärchen aus München, das wir direkt nach unserer Ankunft am Inter Island Quay bei  Silhouette Cruises kennenlernten. Die beiden waren erst kürzlich von ihrer Tour mit der Sea Star zurückgekommen,  und weil er seine langen Hosen am letzten Tag auf dem Schiff vergessen hatte, waren sie jetzt wieder hier, um sie abzuholen. Schließlich müsse man ja für die Rückfahrt ins kalte Deutschland gerüstet sein. An das Thema Rückkehr wollte ich jetzt allerdings noch gar nicht denken, schließlich lag noch alles vor uns.

Mit uns gingen dreizehn weitere Passagiere an Bord, vorwiegend Paare (eines verbrachte an Bord seine Flitterwochen und wurde deshalb in der komfortablen Honeymoon-Kabine untergebracht). Die meisten Gäste kamen aus der Schweiz und aus Deutschland. Nachdem die Sea Star ablegte, nahm sie Kurs auf Praslin. Vor der traumhaft schönen Bucht Anse Lazio machte das Schiff zum ersten Mal halt. Hier durften wir uns entscheiden, ob wir mit dem Dingi zum Schnorcheln gebracht werden wollten oder an Land, um den Strand zu genießen. Ich entschied mich für Letzteres, da eine Traumbucht neben der anderen lag. Mit dem strahlend weißen Sand, dem türkisfarbenen Wasser, den Granitfelsen und Kokospalmen sahen sie aus, als seien sie einer Robinson Crusoe-Verfilmung entsprungen.

Am Abend lagen wir an Deck, schauten in den Sternenhimmel, der über uns funkelte und ließen uns vom sanften Wellengang müde schaukeln.

Tag 2: Vallée de Mai, Praslin
Es gibt etwas, auf das die Seychellois besonders stolz sind: die Coco de Mer. Dabei handelt es sich um eine Palme, deren weiblichen Exemplare Früchte tragen, die einem weiblichen Gesäß ähneln, während die männlichen die Form eines Phallus haben.  Aus diesem Grund ranken sich zahlreiche Legenden um das Gewächs. Fest steht, dass die Coco de Mer der größte Pflanzensamen der Erde ist. Um sie zu bestaunen, wanderten wir durch den Vallée de Mai National Park. Er wurde zum UNESCO Weltnaturerbe erklärt, um die in ihm vorhandenen seltenen Pflanzen und Tiere zu schützen. Der Eintritt kommt Naturschutzprojekten auf den Seychellen zugute.

Wir wurden über die schönen Dschungelpfade durch den Urwald geführt und hielten hier und da, um Black Parrots, endemische Geckos oder Schnecken wie die Praslin Snail zu beobachten. Wie schön es sein muss, wenn der Regen auf die riesigen Palmenblätter niederprasselt und jeder Tropfen zu einem Teil des atemberaubenden Konzerts wird.


Tag 3: La Digue
Heute ging es mit der Sea Star zu der Insel, die exemplarisch für die Seychellen steht. Sie diente als Kulisse zahlreicher Werbespots, zum Beispiel für Bacardi und Raffaello. Die markant geformten Granitfelsen der Bucht Source d’Argent wird sicher jeder schon mal irgendwo gesehen haben, denn sie gehört zu den beliebtesten Postermotiven der Welt.


Man sollte am besten früh morgens kommen, wenn man sie selbst ablichten möchte. Denn Schönheit ist begehrt und so hatten wir in der Mittagszeit Schwierigkeiten, einen Moment zu finden, in dem niemand durchs Bild läuft. Wer einen ruhigeren Strand sucht, sollte weiter zu Anse Bonnet Carrée gehen, dieser ist nur fußläufig zu erreichen und daher ein Geheimtipp.

Um mehr von der Insel zu sehen, empfiehlt es sich, am Hafen ein Fahrrad auszuleihen, das ist die unkomplizierteste Art der Fortbewegung auf La Digue. So kann man sich z.B. die Kokosplantage L’Union Estate, Riesenschildkröten, Vanilleplantagen und eine Kopramühle anschauen. Wir waren sehr froh über den Fahrtwind beim Radeln, denn die schwüle Hitze machte uns zu schaffen. Gegen den Dursthalf eine Kokosnuss die ich für 50 Rupien am Strand kaufte. Wir radelten zu Anse Sévére, da man hier gut schnorcheln können sollte. Leider waren die Korallen auch hier tot (auch sie scheinen dem Wetterphänomen El Niño zum Opfer gefallen zu sein, durch das sich die Temperatur des Wassers erwärmt). Wer nicht an den Klimawandel glaubt, kann seine Auswirkungen hier live sehen.
Aus gegebenem Anlass entschied ich mich, lieber die Naturschönheiten über Wasser zu bewundern, denn davon gibt es schließlich auch auf La Digue genug.

Tag 4: Grande Soeur, Petite Soeur & Coco Island
Grande Soeur sah schon bei Nacht herrlich geheimnisvoll aus, denn auf ihr stand nur ein einziges Haus, in dem Licht brannte. Es gehört dem Verwalter, ansonsten bewohnen nur ein paar Arbeiter die Insel. Der Captain der Sea Star sagte uns, dass in der Bucht vor Grande Soeur mehrere Meeresschildkröten leben würden, mit denen man spielen könne, wenn man sie an den Vorderflossen festhielte. (Davon, sie anders anzufassen, riet er dringend ab, da sie sonst beißen würden).


Wir hatten an diesem Tag kein Glück, und um zur anderen Seite der Insel gehen zu dürfen, hätte man ein Extra-Eintrittsgeld zahlen müssen. Dafür sah ich beim Schnorcheln viele bunte Fische und ein riesiger Rochen passierte meinen Weg. Es lohnt sich auch, den schmalen Weg in die Granitfelsen hinaufzuklettern, denn von dort hat man einen schönen Ausblick auf die Bucht und die Schwesterinsel Petite Soeur. Ich war barfuß unterwegs, würde aber festes Schuhwerk empfehlen, denn die Steine sind durch die Sonne teilweise glühend heiß.

Weiter ging es mit dem Segelschiff Richtung Coco Island. Auf der Fahrt sahen wir ein paar Delfine in der Ferne und dann und wann begleiteten Fliegende Fische unseren Weg. Plötzlich lag sie vor uns, eine Insel, die aussah wie eine Schatzinsel aus einer Piratengeschichte.

Zwischen ihren kugelförmigen Granitfelsen ragten Kokospalmen empor, davor lag strahlend weißer Sand, an den das türkisfarbene Wasser spülte. Faszinierend, wie die Inseln der Seychellen es immer wieder schaffen, sich selbst zu übertreffen. Viel Schatten gibt es nicht auf Coco Island, deshalb sollte man unbedingt einen Hut mitbringen. Und Schnorchelequipment, denn die Insel ist von einem Korallenriff umgeben, das zahlreiche Fische beherbergt.

Tag 5: Aride & Booby Island
Es war der englische Schokoladenfabrikant Christopher Cadbury, der die Insel Aride 1973 kaufte, der Royal Society for the Promotion of Nature Conservation anvertraute,  und so zu dem machte, was sie heute ist: ein Naturschutzgebiet, in dem unzählige Pflanzen und Tiere eine Heimat finden. So zum Beispiel die Wright’s Gardenia mit ihren rot gesprenkelten weißen Blüten, Eidechsen, Geckos, Feenseeschwalben, Tropik- und Fregattvögel. Letztere sieht man besonders gut vom höchsten Hügel der Insel, dem Gros la Tete. Diesen darf man allerdings nur in Begleitung eines Führers besteigen. Wegen der klimatischen Gegebenheiten ist das nicht unanstrengend, also Wasser einpacken. Oben angekommen hat man einen herrlichen Ausblick auf die Bucht und sieht bei gutem Wetter die Inseln der inneren Seychellen. Mit etwas Glück entdeckt man auch Schildkröten, Delfine oder Haie im Wasser.



Seit 2016 wurde auf Aride das Nature Reserve Solar Energy Project gestartet. Durch die Installation von Solarzellen und dem dadurch gewonnenen Strom kann die Co2-Emission erheblich gesenkt werden. Juan Michel, unser Guide und Conservation Ranger der Island Conservation Society auf Aride, erzählte uns, dass das Projekt durch einen deutschen Fußballspieler initiiert wurde, der während seines Urlaubs eher zufällig auf Aride landete. An seinen Namen kann ich mich leider nicht mehr erinnern.


Ein Besuch auf Aride ist vor allem für Naturliebhaber und Ornithologen spannend. Juan Michel schilderte eindrucksvoll, welcher Aufwand betrieben wird, um die zurückgelegten Wege der Vögel zu verfolgen und ihren Fortbestand zu sichern. Unterwegs stießen wir auf einen Weißschwanz-Tropikvogel, dessen Gefieder derart verklebt war, dass er nicht mehr fliegen konnte, Ursache dafür waren die klebrigen Samen des bwa mapou Baumes (Pisonia grandis). Ein Problem, was häufiger auftritt, und das nur durch eine sehr vorsichtige und aufwendige Reinigung durch die Mitarbeiter der Island Conservation Society gelöst werden kann. Werden betroffene Vögel nicht rechtzeitig entdeckt, kann es passieren, dass sie vom Baum fallen oder elendig verhungern.

Im Anschluss an unseren Besuch im Vogelparadies Aride nahm die Sea Star Kurs auf die kleine, unbewohnte Granitfelseninsel Booby Island, vor der wir schnorcheln gehen durften.

Tag 6: Curieuse & St. Pierre
Die Insel Curieuse ist ebenfalls unbewohnt und sie steht unter Naturschutz. Auch sie ist ein wunderschönes Fotomotiv, Holzwege führen durch ihre Mangrovenwälder und die Besucher können eine der circa 200 Riesenschildkröten füttern, die frei auf Curieuse herumlaufen. In der Bucht von Anse José machten wir ein Barbecue mit gegrilltem Fisch, die ehemalige Leprastation wurde gerade restauriert, sodass wir diese nicht besichtigen konnten.

Danach machte die Sea Star noch vor St. Pierre halt, die ähnlich wie Coco Island, der Inbegriff einer typischen Seychellen-Trauminsel ist. Dort durften wir eine Runde schnorcheln gehen.

Tag 7: Sainte Anne Marine  National Park
Am letzten Tag unserer Reise mit Silhouette Cruises ankerten wir im Naturschutzgebiet Ste. Anne Marine National Park. Er umfasst eine Gruppe von sechs Inseln, dazu gehören Cerf Island, Ile Caché, Moyenne Island, Round Island, Long Island und Sainte Anne und hat sich dem sanften Tourismus verschrieben. Ein atemberaubendes Fleckchen Erde, wo das Wasser hier und dort in besonders hellen Türkistönen leuchtet, weil es so flach ist. Mit der Gebühr, die für den Aufenthalt im Ste. Anne Marine National Park zu zahlen ist, wird u.a. auch der Schutz des Gebietes durch die Marine Park Authority finanziert.

Ein letztes Mal genoss ich an diesem Abend die warmen Strahlen der Sonne, das Schaukeln des Schiffes und das herzliche Lachen der Schiffscrew, das aus der Küche zu mir drang. Es war toll, in so kurzer Zeit einen Eindruck von der Inselwelt der Seychellen bekommen zu haben, die noch schöner ist, als ich es mir erträumt hatte.

Bleibt zu hoffen, dass sich die Seychellen das behalten, was sie ausmacht: ihre ursprüngliche Schönheit mit den Bilderbuchbuchten, die oft menschenleeren Strände, ihren Sinn für einen verantwortungsvollen Umgang mit diesem Naturparadies und seinen Ökosystemen, und ihre kleinen, feinen Unterkünfte.

Um uns die Zeit bis zum Abflug zu vertreiben, schlenderten wir noch über den Sir Selwyn Selwyn Clarke Market in Victoria, der Hauptstadt der Seychellen, die auf der Insel Mahé liegt. Trotz der vielen Fischstände roch es hier nicht unangenehm, alles sah sehr lecker und appetitlich aus.

Der Sir Selwyn Selwyn Clarke Market in Victoria bot auf jeden Fall auch eine tolle Möglichkeit, noch ein paar Mitbringsel für Deutschland zu kaufen, zum Beispiel Zimt, Safran, Curry, Kurkuma oder Pfeffer. Und ihr solltet unbedingt mal eine von den kleinen Bananen probieren, die rötlich gefärbt sind, sie haben ein ganz tolles Aroma.

Weitere Reiseberichte von mir zu den Seychellen:
Wenn Inselträume wahr werden – mein Trip auf die Seychellen (Video)
Denis Private Island Seychellen – ein luxuriöses Paradies für alle, die Ruhe suchen
Das farm to table- und Nachhaltigkeitskonzept auf Denis Private Island

Die perfekte Fotoausrüstung für die Seychellen:
Bei so schönen Landschaften ist es lohnenswert, ein gutes Fotoequipment dabeizuhaben. Wir haben den Großteil der Bilder mit der Canon EOS 6D Vollformat SLR-Digitalkamera mit WLAN und GPS (20,2 Megapixel, 7,6 cm (3 Zoll) Display, DIGIC 5+) nur Gehäuse schwarz und dem Objektiv Canon EF 11-24mm 1:4,0 L USM aufgenommen.

Mein Reiseführer-Tipp:
Ich hatte den DuMont Reise-Handbuch Reiseführer Seychellen: mit Extra-Reisekarte dabei, der mich sehr überzeugt hat. Er bot viele spannende Informationen zur Geschichte und der aktuellen Lage der Seychellen, zu den einzelnen Inseln und den Themen Naturschutz, Kultur, Essen & Trinken und Gesellschaft. In einem Kapitel findet ihr auch Infos zu  Denis Private Island, einer Trauminsel, der ich mich in diesem Artikel widme.
Einzig bei den Taxi-Kosten hat sich der Fehlerteufel eingeschlichen: Dort steht, dass die Grundgebühr 15 SCR beträgt, plus 7 SCR für jeden weiteren Kilometer. Es müsste jedoch 70 SCR für jeden weiteren Kilometer lauten.

Photos by: Lukas Holzmeier & Rebecca Schirge