Urlaub-mit-dem-Hausboot-auf-der-Ruhr-NaturBeim Ruhrgebiet denke ich immer noch schnell an Kohle, Ruß, Staub, Dreck und verschmutzte Gewässer. Geschuldet ist das sicher meinem Erdkundeunterricht in der Schule, der (zugegebenermaßen) lange her ist.  Umso überraschter war ich von dem Naturparadies, als das sich mir die Ruhr bei der Tour mit dem Hausboot präsentierte.

Traumhaft schöne Landschaft
Am Mülheimer Hafen wurde uns bei der Grünen Flotte ein Hausboot namens Chantal ausgehändigt. Wir bekamen eine kurze Einweisung, das war auch gut so, denn man braucht keinen Bootsführerschein für die sogenanten Escargots (französisch für »Schnecke«) und ich hatte bisher keinerlei Ahnung davon, welche Regeln es zu Wasser so gibt. Geschweige denn, dass ich jemals eine Schleuse passiert hätte. Dann konnte es endlich losgehen.

Fortbewegen ließ sich das Boot wie ein Tretboot, also ganz klimafreundlich per Muskelkraft. Es gibt jedoch auch einen kleinen Motor, der zur Unterstützung genutzt werden kann. So oder so, Schnelligkeit sucht man hier vergebens, die Tour steht ganz unter dem Motto Entschleunigung und die Bezeichnung Escargot ist Programm.
Gruene-Flotte-Ruhr-ein-Gefuehl-von-Freiheit

Während wir mit Chantal übers Wasser glitten, bestaunten wir die wunderschönen, saftig grünen Auerlandschaften am Ufer. Unterwegs begegneten wir einem blau schillerndem Eisvogel, Graureihern und einem verspielten Otterpärchen. Auf dem Grund des Wassers entdeckte ich sogar Muscheln. Zwischendurch legten wir immer mal wieder an einem Steg an, um die Beine ein wenig im Wasser baumeln zu lassen, denn mit dem Wetter hatten wir großes Glück, 30 Grad zeigte das Thermometer.

Als wir uns der ersten Schleuse näherten, war ich etwas aufgeregt: Würden wir es wohl hinbekommen, das Hausboot unbeschadet hindurch zu manövrieren? Schnell wählte ich die Nummer, die uns bei der Einweisung gegeben wurde, um den Schleusenwart über unsere Ankunft zu informieren. Dieser war ganz tiefenentspannt und meine Aufregung ganz umsonst, denn alles lief reibungslos.

Direkt hinter der Schleuse legten wir an, um beim Haus Ruhrnatur vorbeizuschauen. Wie der Name schon sagt, dreht sich dort alles um das Ökosystem Ruhr. Außerdem gibt es tolle Experimentierstationen zum Thema regenerative Energien, auch Erwachsene können noch viel lernen.

Mir hat es vor allem die aktuelle Sonderausstellung »Wildes Ruhrgebiet« angetan, die Naturfotografien von Hermann Hirsch sind einfach grandios und einmalig. In das niedliche Bild vom Füchschen habe ich mich direkt verliebt. Mit seinen Bildern möchte der junge Fotograf Menschen zeigen, dass das Ruhrgebiet mehr zu bieten hat als Industrie. Ich für meinen Teil bin überzeugt.

Nach unserer Rückkehr ankerten wir im Hafen und genossen den lauen Sommerabend am Steg. Wir sahen, wie die Sonne farbenprächtig am Horizont versank, hinter uns zog der volle Mond empor. Es war an der Zeit, es sich in der kleinen Koje des Hausbootes gemütlich zu machen und sich von den leichten Bewegungen des Wassers in den Schlaf schunkeln zu lassen.

Weitere Ruhrgebiet-Tipps von mir:
-Für schlechtes Wetter: Die Fotoausstellung »Wunder der Natur« im Gasometer Oberhausen.
Industriepark Duisburg & andere Geheimtipps
-Mit der Ruhr Topcard habt ihr einmalig freien  Eintritt für über 90 Ausflugsziele im Ruhrgebiet und ermäßigten Eintritt bei vielen weiteren, z.B. bei der Fotoausstellung »Wunder der Natur« und im Haus Ruhrnatur.
-Wie bereits erwähnt: Die Sonderausstellung »Wildes Ruhrgebiet« im Haus Ruhr Natur. Sie läuft noch bis zum 20. November 2016. Viele schöne Aufnahmen vom Fotografen Hermann Hirsch findet ihr auf seiner Website und auf Facebook. Bald wird es auch wieder Kalender geben.

Sonderausstellung-Wildes-Ruhrgebiet-Hermann-Hirsch

»Guten Tag«, sagte der Fuchs …« Bei diesem Bild musste ich sofort an »Der kleine Prinz« von Antoine de Saint-Exupéry denken. Fotocredit: Hermann Hirsch. Zu sehen in der Sonderausstellung »Wildes Ruhrgebiet« im Haus Ruhr Natur.