Uebernachtung-im-Baumzelt-Solling-Titelbild

Träumen unter Bäumen – das klang für mich als Wald-Fan schon immer extrem verlockend. Mitten im Wald des Naturparks Solling-Vogler laden zwei Baumzelte zum Schlafen ein. Ich habe mich für eine Nacht in das Outdoor-Abenteuer begeben. Und das war wunderschön und gruselig zugleich.

An den Baumhäusern entlang, immer tiefer in den Wald hinein und den Berg hinauf,  hing es auf einmal vor uns: das Baumzelt. Unter ihm stand eine große Metallkiste und eine grüne Treppe, das wars. Mit dem Schlüssel, den wir an der Rezeption bekommen hatten, öffneten wir die geheimnisvolle Kiste und fanden allerlei Nützliches vor, z.B. Taschenlampen, Haferriegel, Wasser, Säfte, Bier, eine Makita-Kaffeemaschine und zwei Campingstühle mit einem Tisch. Das Abenteuer konnte beginnen.

Dann war es an der Zeit, ein wenig die Umgebung zu erkunden. Wir erfrischten uns im nahegelegenen Naturbadeteich und schauten uns die spannenden Stationen des ErlebnisWaldes Schönhagen an, der ein Außenprojekt der Expo 2000 in Hannover war. Hier erfährt man allerlei Wissenswertes über die Natur, pädagogisch hervorragend aufbereitet. Nachdem ich mich ein wenig mit dem Kohlenstoffkreislauf beschäftigt hatte, zog es mich in den schönen Duft- und Kräutergarten.

Als uns der Hunger packte, gingen wir zur Grillfläche nahe der Baumhäuser und genossen beim Essen den herrlichen Ausblick in die Natur. Im sogenannten »Schäferwagen« gab es einen Kühlschrank, den man benutzen konnte und sogar nachhaltiges Holzbesteck und Geschirr.

Zum Duschen und Zähneputzen gingen wir den Berg hinab, vorbei an den Baumhäusern und dem lustigen Bauwagen, der für Konferenzen gebucht werden kann. Der Duschwagen hatte auf jeden Fall Glamping-Niveau: Er duftete nach frischem Holz, hatte innen einen weißen Anstrich im Skandinavien-Style und moderne und geräumige Einzelkabinen. Mit so viel Komfort hatte ich wirklich nicht gerechnet.
Auf dem Rückweg leuchtete uns das Baumzelt schon von weitem aus dem Dunkel des Waldes entgegen, wie ein futuristischer Riesenkokon sah es aus. Als ich hineingeklettert war, genoss ich den Anblick des Himmels und der Baumwipfel über mir und das einzigartige Gefühl, mitten in der Natur und in der Nacht zu sein.

Plötzlich begann es in den Bäumen hinter uns zu rascheln, Äste knackten. Wer oder was war dort in der Finsternis? Die selige Entspannung wich einer ängstlichen Anspannung, ich hielt die Luft an. »Jetzt bloß nicht an an gruselige Filmszenen denken«, ging es mir durch den Kopf. Irgendwann ließ das Rascheln nach. Vielleicht waren ein paar Vögel die Unruhestifter gewesen, vielleicht auch nicht. Mit dem Rascheln verschwand auch das Unheimliche und machte Platz für schöne Momente, in denen ich mich der Natur bei Nacht so nah fühlte, wie selten zuvor. Ein unvergessliches Erlebnis, das ich weiterempfehlen kann.

Aussichtsturm-Naturpark-Solling

Blick auf die Baumkronen vom Aussichtsturm

 

 Meine Tipps für eine Übernachtung im Baumzelt

  1. Nehmt euch unbedingt einen Schlafsack und eine Decke oder Isomatte zum Drauflegen mit, denn auch in den Sommermonaten kann es nachts im Wald recht schattig werden.
  2. Überlegt zweimal, ob ihr alles dabei habt, denn der Weg vom Baumzelt zum Parkplatz ist weit. Selbiges gilt für die Toilette.
  3. Die App »WarnWetter« des Deutschen Wetterdienstes gibt euch rechtzeitig Hinweise vor Gefahren.
  4. Nehmt euch eine Taschenlampe mit vollen Batterien mit, falls ihr nachts mal raus müsst.
  5. Wenn ihr das Baumzelt schön ausleuchten möchtet, bieten sich aufblasbare, wasserdichte Solarlampen an.
  6. Vorher keine Gruselfilme schauen oder Thriller lesen, die im Wald spielen. Außer ihr habt starke Nerven.