Im Wanderglück: Acht Tipps für die Walliser Alpen, Täschalp, Schweiz

Es gibt Orte, deren Schönheit so faszinierend ist, dass man sich nicht an ihnen satt sehen kann. Die Walliser Alpen gehören definitiv dazu. Diese Mischung aus einer atemberaubenden Berglandschaft, deren höchste Gipfel mit weißem Schnee gepudert sind, dem sattem Grün der Hänge und der magischen Ruhe, die diese Welt – die wie eine andere wirkt – ausstrahlt, hat mich von der ersten Sekunde an in ihren Bann gezogen.

Wer hier einen Teil des Europawegs wandert, wird schnell wissen warum: Butterblumen, Enzian, Alpenrosen und allerlei andere bunte Blüten säumen den schmalen Pfad, der sich entlang der Berge von der Täschalp Richtung Tufteren und Sunnega und weiter bis nach Zermatt schlängelt. Auch wenn die Beine irgendwann erste Ermüdungserscheinungen zeigen, möchte man immer weitergehen, um nichts zu verpassen, was diese Kulisse bietet. Immer wieder wechselt sie von lieblich zu wildromantisch und schroff. Hinter manch einer Kurve wartet ein Panorama, das einfach überwältigend ist mit seinen imposanten Viertausendern wie dem Matterhorn (4.478 m), Weißhorn (4.506 m), Täschhorn (4.491 m), Zinalrothorn (4.221 m) und dem Dom (4.545 m). Mit etwas Glück schiebt der Wind dann und wann die Wolken fort und gibt den Blick auf ihre schneebedeckten Spitzen frei.

Für mich war bei meinen Wanderungen allerdings immer der Weg das Ziel: Statt einen angezeigten Zeitplan für eine Strecke einzuhalten, war es mir wichtiger, unterwegs vielleicht Gemsen, Schwarznasenschafe und Murmeltiere zu entdecken oder das Moos auf den Felsformationen, das zwischen Hellgrün über Rosa zu Rot changiert. Den harzigen Duft zu inhalieren, der nach einem kurzen Schauer vom Boden aufstieg und das Schauspiel aus Licht und Schatten zu beobachten, das an den Berghängen und Tälern stattfand.

Die Gegend um die Täschalp ist wunderbar naturbelassen – es gibt keine Stromleitungen und keine Seilbahnen, die die Schönheit der Landschaft beeinträchtigen. Unterstrichen wird das Idyll noch von den weidenden Kühen, die sich hier frei auf der Alb bewegen dürfen und dabei fröhlich mit ihren Glocken bimmeln.

Je mehr man sich beim Abstieg auf dem Rückweg der Europaweghütte näherte, desto deutlicher hörte  man in der Tiefe das Rauschen des Flusses und das Läuten der Kuhglocken. Spätestens wenn die Luft kühler zu werden begann und Nebelschwaden aus dem Tal emporzogen, war es an der Zeit, in der Hütte einzukehren. Dort duftete es schon nach dem wärmenden Feuer im Holzofen und den deftigen schweizer Speisen, auf die sich alle Wanderer am Abend freuen.

Es sind die einfachen Dinge, die einen alles andere um sich herum vergessen lassen und es einem ermöglichen, völlig ins Hier und Jetzt abzutauchen. Das macht die Täschalp zum perfekten Ort für eine Auszeit aus dem Alltag. Einer echten Auszeit, bei der man nicht nebenher in Kontakt zur Außenwelt bleibt, und nicht mit den Gedanken immer halb woanders ist, denn WLAN oder Internet gibt es hier nicht. Und das ist auch gut so.

Wallis: »Der Himmel ist riesenhaft über uns gewölbt; er scheint sich in der Unendlichkeit zu spannen, wie sonst nur auf hoher See.«
Carl Zuckmayer

Meine acht Tipps für einen Wanderurlaub in den Walliser Alpen, Täschalp, Schweiz

  1. Auf keinen Fall sollte man sich den grandiosen Ausblick vom Ober Sattla (2.886 m) entgehen lassen. Der Aufstieg ist für Ungeübte anspruchsvoll, doch mit ausreichend Pausen durchaus in circa anderthalb Stunden möglich. Geübte Wanderer sollten die Strecke wesentlich schneller schaffen. Oben angekommen wird man (bei gutem Wetter) mit einem Panorama deluxe belohnt: Zum Beispiel mit dem Anblick des Matterhorns, des Weißhorns und weiteren Viertausendern wie dem Täschalphorn und dem Dom.

2. Die Teilstrecke des Europawegs von der Täschalp nach Zermatt ist eine der schönsten Wanderstrecken, die ich bisher gesehen habe. Da man nur wenige Höhenmeter überwinden muss, ist sie auch für ungeübte Wanderer gut zu begehen.

3. Im Sommer ist der 5-Seen-Weg zu empfehlen, dieser führt von Blauherd nach Sunnega, es gibt die Möglichkeit, die vorhandenen Höhenmeter mit der Seilbahn etwas abzukürzen. Im Leisee und im hübschen Grünsee könnt ihr auch baden gehen.

4. Idealer Ausgangspunkt für die oben genannten Touren ist zum Beispiel die Europaweghütte auf der Täschalp. Sie bietet mit ihren Bettenlagern bis zu 30 Wanderern Platz und ist täglich ab 9.30 bis abends auch für externe Gäste geöffnet, die sich im hauseigenen Restaurant stärken möchten. Auf der Website findet ihr weitere tolle Wanderstrecken und eine Wanderkarte zu Täsch/Zermatt: www.europaweghuette.ch/deutsch/aktivitäten/

Den Wallisern wird nachgesagt, sie seien eigensinnig und unfreundlich. Vom Ehepaar Willisch – den Inhabern der Hütte – und ihren Mitarbeitern kann das nun gar nicht behaupten. Mit einem Lächeln und Warmherzigkeit wird man hier als Gast empfangen und fühlt sich sofort wohl. An warmen Tagen kann man auf der Terrasse des Hauses die Sonnenstrahlen genießen.
Kontakt: Europaweg auf der Täschalp, Familie Willisch
Telefon: +41 (0) 27 967 2301
+41 (0) 27 967 3212
E-Mail: kontakt@europaweghuette.ch
www.europaweghuette.ch

Wegbeschreibung zur Europaweghütte: Im Ort Täsch liegt rechter Hand das große Parkterminal am Bahnhof. Kurz dahinter geht links ein Bach hoch. Direkt davor/daneben führt eine kleine Straße hoch, diese nimmt man. Über die Kreuzung und dann die nächste Straße links, dort ist auch die Täschalp ausgeschildert. Dann muss man nur noch dem Weg durch den Wald folgen. Achtung: Der Weg ist sehr kaputt und hat einige Schlaglöcher, daher solltet ihr langsam fahren. Oben angekommen, könnt ihr direkt hinter der Europaweghütte parken.

5. Wer günstig ohne Auto von Täsch zur Täschalp (Restaurant Europaweghütte) hinauf möchte, kann zweimal täglich ein Taxi nehmen, einen Einzelplatz kann man für circa zehn Franken bei Zermatt Tourismus, Büro Täsch  0041 (0) 27967 16 89 vorab buchen. Für den Weg hinab gilt das Gleiche. Für etwa 40 Schweizer Franken (pro Strecke) gibt es außerdem die Möglichkeit, jederzeit ein Taxi zu nehmen.

6. Ein weiteres Highlight ist es von hier den Auftrieb der Kühe zu beobachten, die immer gegen 17.30 Uhr oben am Stall gemolken werden. So viel echtes Landidyll ist man als deutscher Stadtmensch gar nicht mehr gewohnt. Morgens ab sechs Uhr kann man am Stall mit integrierter Molkerei Ziger (proteinreicher Molkekäse, der mit Ricotta vergleichbar ist) kaufen – eine schweizer Spezialität. Er schmeckt super lecker – was kein Wunder ist, denn die glücklichen Kühe dürfen den ganzen Tag das frische Alpengras weiden. Der Stall befindet sich etwas weiter oberhalb der Europaweghütte. Von 14 bis 16 Uhr machen die polnischen Landwirte Mittagspause, diese sollte man ihnen auch gönnen. Ihr könnt den Ziger jedoch auch in der Europaweghütte kaufen oder dort direkt in zubereiteter Form genießen, zum Beispiel als »Ziger mit G’Schwellte« (Pellkartoffeln).


7. Im Juli 2017 soll im benachbarten Randa die längste Hängebrücke der Welt eröffnet werden. Sie wird sich in einer Höhe von 2.100 Metern befinden und eine Länge von 490 Metern haben, es lohnt sich sicher, dieses Konstrukt einmal zu begehen.

8. Ein unvergessliches Erlebnis muss es sein, mit  dem Helikopter durch die Schlucht der Walliser Alpen oder um das Matterhorn zu fliegen. Wer das nötige Kleingeld hat, kann das mit Air Zermatt tun. Eines Tages würde ich das gerne mal erleben.

 

Meine Packliste für einen Wanderurlaub in den Walliser Alpen, Täschalp, Schweiz

Danke an das fabelhafte Team der Europaweghütte, das mich bei meinem Aufenthalt in den Walliser Alpen unterstützt hat! Die Fotos wurden mit einer Canon 6 D und einem 11–24 und 24–105 Objektiv gemacht, danke an Canon Deutschland.
Fotos: Lukas Holzmeier

Weitere Artikel zum Thema Wandern findet ihr hier:

Nur wo du zu Fuß warst, bist du auch wirklich gewesen – Ein Reisebericht aus Norwegen
Ein Hauch von Glamping. Urlaub im Bijou-Camper am Walensee, Schweiz
 Ab auf die Alm! Sechs Gründe, warum uns die Berge glücklich machen

3 Kommentare

  1. Na schönen Dank auch! Bisher habe ich mir immer eingeredet, dass es rund um das Matterhorn so schön nun auch wieder nicht sein kann, dass ich unbedingt dort hin muss. Da du uns jetzt hier aber so unverschämt geniale Fotos zeigen musst, hilft diese Taktik auch nicht mehr. Ich fürchte, ich muss da unbedingt auch ganz dringend mal hin… 😉
    Liebe Grüße
    Thomas

    • Rebecca

      13. Juli 2017 at 16:32

      Hi Thomas,

      danke für das Lob! 🙂 Du solltest auf jeden Fall mal dorthin. Aber ich muss dich warnen: es gibt dort eine Horde frei laufender Kühe. Ich weiß ja nicht, inwieweit deine Phobie mittlerweile geheilt ist?! 😉 Ansonsten kann ich dir die Weidebroschüre von »Tierschutz macht Schule« empfehlen, die soll einen fit für das Kuh-Rendezvous machen und einem zeigen, wie das Drohverhalten von Rindern aussieht. http://www.tierschutzmachtschule.at
      Diese Kühe waren allerdings wirklich sehr sehr lieb!

      • Hallo Rebecca,
        danke für die Warnung! Für diese Aussicht würde ich mich aber wahrscheinlich auf jedes Kuh-Rendezvous einlassen…
        Liebe Grüße
        Thomas

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

*

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.

© 2017 Rebeccas Welt

Theme von Anders NorénHoch ↑